Vom Umgang mit Leuchtmitteln

Christoph Dutschke, 2008

Einen Grundsatz bei der Entwicklung von Leuchten möchte ich so formulieren:
Eine Lampe ist nicht nur dort, wo sie hängt, sondern überall auch da, wo sie hinleuchtet, - auf ihr Licht kommt es an. Man schaut schließlich nicht ewiglich die schöne Lampe an, sondern sucht nach seinen Socken, will Kleingedrucktes lesen und will sich vor allen Dingen einfach nur wohlfühlen. Schließlich vertritt eine Lampe die Sonne, wenn es Nacht wird.

Nach 25 Jahren Leuchtenbau möchte ich deshalb für mich in Anspruch nehmen, dass mein Begriff vom künstlichen Licht nicht mehr nur eine Geschmacksfrage ist, sondern objektive Aspekte beinhaltet, an denen schwerlich vorbeizukommen ist.
Allerdings äußere ich mich vor allem als Künstler und beurteile das Licht im Wesentlichen nach seiner Güte und Schönheit. Ökologische, technische und medizinische Erläuterungen überlasse ich Fachleuten, die sie in eigenen Beiträgen fundiert begründen und mir dabei aber gänzlich aus der Seele sprechen.

Ernstlich nachdenklich stimmt mich der kritiklose Umgang mit Energiesparbirnen in manchen Waldorfschulen. Das Vermögen, zwischen Schönem und Absurdem zu unterscheiden, scheint verloren, eine Verantwortung gegenüber Schutzbefohlenen und deren physischer, seelischer und geistiger Unversehrtheit ist zumindest in dieser Hinsicht nicht erkennbar. Ich bin vor mehr als vierzig Jahren auch zur Waldorfschule gegangen, ich habe diese Schule nicht immer geliebt, aber ich hatte Achtung. Achtung, die sich vor allem im Vertrauen (nicht hinters Licht geführt zu werden) begründete. Grundlegendes aus diesem Vertrauen hat sich bis heute erhalten. Deshalb vielleicht auch meine Haltung, wenn eine Waldorfschule Leuchten von mir möchte, um diese mit „Energiesparbirnen“ zu bestücken, denn die Mühe, dafür tätig zu werden, möchte ich mir wirklich sparen, weil sie am Sinn meiner Arbeit vorbei geht. Zwar höre ich mir zunächst geduldig an, wie man sich den Erfordernissen der Gegenwart anpassen und was man nicht alles mit dem Bewusstsein überwinden müsse, frage mich aber zunehmend, wie lange es noch dauern mag, bis womöglich Mac Donald's das Demeter-Siegel erhält. Ein triumphales Bekenntnis darüber, dass ein Unterschied zur Glühbirne fast nicht feststellbar sei, führt letztlich dazu, dass ich diesen Kunden dann wirklich nicht bedienen will.

Bei anderen Schulen wiederum verschwinden die Energiesparbirnen ganz schnell wieder. Wahrscheinlich kommen die meisten mit gutem Grund ohne sie aus.
Ich möchte Anregen, dass man solche Problemstellungen am besten den Schülern selbst überlässt. Beispielsweise eine Jahresarbeit zum Thema würde den Sachverhalt sicherlich kritisch behandeln.

An Lieblosigkeit kaum zu überbieten –
An Lieblosigkeit kaum zu überbieten –

Beleuchtungskörper in einer
Waldorfschule.
Beleuchtungskörper in einer Waldorfschule.

„Das Licht schreit“ antwortet ein sogenanntes Indigokind als es gefragt wird, warum es in der Schule nicht lernen wolle. Es lernte dann aber sehr wohl, als das schreiende Licht gegen eine normale Glühbirne ausgetauscht war.

Bestimmte Dinge können beim Schein von Energiesparbirnen getrost unterlassen werden: Jede schöpferische Tätigkeit oder Kultur des Denkens, Meditationen wie innere Übungen oder Eurythmie. Auch ein konzentriert wissenschaftliches Arbeiten und religiöse Hingabe gehören dazu.

Ein gesundes Empfinden ist in der Lage gut zu beurteilen wie sich Qualitäten verhalten: wie wäre es mit einer Energiesparbirne im Nachttischlämpchen? Nur für zwei Wochen, - neben „Wie erlangt man...“ ist bestimmt noch ein Plätzchen frei für eine Packung Aspirin.

Energiesparbirnen sind Körperverletzung, sie korrumpieren das feinsensorische Empfinden und veranlagen physische Grundlagen für auch tödlich verlaufende Immunkrankheiten. Sie schwächen den ganzen Menschen. Eine Verwendung dieser Leuchtmittel ist - solange Gefahrenpotenzial vielleicht nicht einmal ausreichend belegt, aber in Betracht gezogen werden muss - nicht verantwortbar.

Selbstverständlich sind sogenannte „Biolicht“ Leuchtmittel nicht davon ausgenommen. Leider erfreuen sie sich besonderer Beliebtheit weil sie glaubhaft machen, das Sonnenlicht wiederzugeben. Während nicht einmal der Metzger seine Wurst damit präsentieren würde, können leider all zu viele Menschen das goldene warme Licht der Sonne nicht mehr von dem frostigen Blau dieser Dinger unterscheiden.

Einen einzigen brauchbaren und therapeutischen Nutzen soll diesem „Biolicht“ (das im Übrigen alles andere als bio ist, - es unterscheidet sich lediglich in der Zusammensetzung der Gase) dennoch zugestanden werden: wenn es schwer fällt, morgens aus dem Bett zu kommen oder wenn leicht depressive Verstimmungen vorhanden sind, kann dieses Leuchtmittel helfen wenn es etwa drei Nächte lang während des Schlafes brennt. Aber Vorsicht, der Kopf soll im Schatten liegen, sonst kann es gewaltige Kopfschmerzen geben. Diese Anwendung ist aber nicht im Sinne von Beleuchtung zu verstehen, sondern eine therapeutische Maßnahme von kurzer und begrenzter Dauer.

Die drei bekannten Graphiken der Lichtkurven verschiedener Lichtquellen, diesmal allerdings für einen ganz anderen Betrachtungsinhalt:

Sonne
Sonne
Glühlampe
Glühlampe
Energiesparlampe
Energiesparlampe

In alten Kulturen wurde die Sonne oft als zentrales Element verehrt. Heute aber verbringen die Menschen in modernen Zivilisationen bis zu 95% ihrer Zeit in künstlichem Licht. Auch wenn heutige Errungenschaften nicht zum zentral verehrten Element an sich werden, so kann man dennoch nachvollziehen, dass ein jeder sich seine Götter wählt, auch wenn er es nicht direkt gewollt hat, so seine Wahl als Konsequenz letztlich doch erfahren muss.

Die Graphik vom Sonnenlicht sieht ja ganz gut aus. Die von der Glühbirne auch.
Und die von der Energiesparbirne? - Ich finde die sieht doch irgendwie wie so eine Art Springteufel aus, oder? Jedenfalls zeigt die Diskontinuität der Lichtkurve, dass da irgendwie so eine Art Hackebeil unterwegs ist. Um das besser zu verstehen, macht es Sinn, wenn man „strahlt“, „strömt“ oder „flutet“ denkt und sich dabei die Sonnenkurve vergegenwärtigt: - Licht strahlt -. Versucht man das mit der Kurve der Energiesparlampe stellt man fest: das geht ja gar nicht, da kriegt man ja Asthma.

Man glaube mal nur nicht, die Energiesparbirne spare Energie, weil auf der Stromrechnung ein geringerer Verbrauch ausgewiesen ist.

Die eigentlich nützlichen Fragen sind doch diese: von wem beziehe ich meine Energie, wie wird die Energie erzeugt, und wie nutze ich Energie.

Muss zum Beispiel dem letzten Nachtschwärmer mit zig tausenden Watt nachhausegeleuchtet werden? Keine Frage, dass wir ohne zu Sparen mit einem Bruchteil des Energieaufkommens prächtig auskommen könnten, wenn Energie nur dort zum Einsatz käme, wo sie wirklich notwendig ist.

Bei Glühbirnen entstehen neunzig Prozent als Abwärme? Na und, dann dreht man eben die Heizung runter, falls sie das nicht sowieso schon automatisch tut und damit die Abfallwärme der Glühbirne bereits „recycelt“. Oder gibt es jemanden, der deshalb lieber schwitzt, damit der, der da behauptet, dass neunzig Prozent der Glühbirnenenergie verloren gehen, Recht bekommt? Das Licht wird doch sowieso erst dann angemacht, wenn es Dunkel wird, was immer mit einem natürlichen Temperaturrückgang verbunden ist, auch im Sommer. Eine Glühbirne ist unter solchen Gesichtspunkten doch eher eine intelligente Klimaanlage, denn sie gleicht in dem Moment wo sie notwendigerweise eingeschaltet wird, den damit verbundenen Temperaturrückgang aus.

Fordern Sie von Ihrem Energielieferanten emissionsfreie Energie aus erneuerbaren Quellen, fordern Sie jedoch mindestens, dass die Ihnen gelieferte Energie nicht aus Kernkraftwerken stammt. Innovation kommt erfahrungsgemäß aus der Wirtschaft und nicht aus der Politik.

Wenn der Politik auch nur das allergeringste Interesse am Fortbestand der Menschheit nachgewiesen werden könnte, müsste sie den Weltklimabericht zur Kenntnis nehmen und handeln: wenn CO2 Emissionen bis zum Jahre sowieso um so und so viel Prozent verringert werden sollen, so muss eben erschreckend simpel die CO2 Emission verursachende Produktion auf so und soviel Prozentpunkte limitiert werden, während emissionsfreie Energieherstellung nicht limitiert das Problem binnen hinreichend kurzer Zeit von selbst regeln würde.

Der „Handel mit Verschmutzungsrechten“ nach Maßgabe eines herrschenden Casino-Kapitalismus erweckt den Eindruck, als ob man sich lustig macht über den Ernst der Energiefragen. Es wird sich kaum etwas ändern, solange sich politische Kompetenzen lieber am Atom vergehen oder im Öl plantschen, anstatt auch nur einen einzigen gesunden Gedanken zu denken.

Der zu erwartenden Vervierfachung des weltweiten Energiebedarfes mit Energiesparbirnen, „Verschmutzungsrechten“ und ähnlichem begegnen zu wollen, ist ausweglos.

Es ist nicht schwer nachzuvollziehen, dass Entwicklungen im Gange sind, die alles, was fließt erfolgreich gen Erstarrung führen. Anthroposophische Terminologie kennt hierfür einen Namen. Ahriman. Genauer Beobachtung entzieht sich nicht, dass die Energiesparbirne grünliches Licht erzeugt (bei der Warmtonüberlagerung kann es zur Not auch geschlussfolgert werden): Lauwarmes phosphorgrünes Glimmen metallbedampfter Gaspartikel in tödlichem Quecksilbermilieu. Sonnenloses Licht.

Das gibt es ja heute kaum noch, aber vorstellen darf man es sich dennoch: eine vollkommen gesunde Familienstruktur. Vater, Mutter und vier Kinder als fröhlich gesunder und lebendiger Organismus. Und wie zerhackt man nun das feinstofflich soziale Netz dieses gesunden Organismus? Richtig! Mit dem Licht von Energiesparbirnen. Weil die Lichtwelle selbst analog feinstofflich ist, hier aber nicht flutet sondern taktet. Das bedeutet Stress für alle feinstoffliche Natur, - biologisch-dynamisches Gemüse in diesem Licht präsentiert, verliert, was ihm ursprünglich feinstofflich veranlagt wurde.

Sehr seltsam, dass sich die Energiedebatte gerade auf das Licht stürzt. Ottmar Edenhofer, Autor des Klimaberichtes vom Weltklimarat und Chefökonom am Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung hält ein Verbot von Glühbirnen für »Unfug«.

 

Bevor ich zum Abschluss komme, ein paar Empfehlungen:

Leuchtmittel für Lampenkörper.

„Standard-Hochvolt-Glühlampe“, also normale Glühbirnen. Für jeden Raum ein schwaches Licht mit 25 Watt damit es nicht dunkel ist und ein kräftiges Licht mit 100 Watt, damit man etwas sieht, wenn es erforderlich ist.

Leuchtmittel ohne Lampenkörper.

Die „nackte Glühbirne“. Meine Lieblinge! In meinen Privaträumen finden sie fast ausschließlich Anwendung. Sie sind klar und haben einen sehr langen Glühfaden, auf dessen Länge sich die Lichtintensität so verteilt, dass es nicht blenden kann:

Glühbirnen

Fast exotisch, vollkommene Ruhe und Schönheit, Kinder stehen staunend davor und schauen. Originale Produkte aus der Zeit der ersten Glühbirnen.
Der Hersteller ist unter anderen die Firma Paulmann, mit ihrem Programm „Rustica“, zu beziehen im Fachhandel, nicht bei mir.

Bei mir werden notgedrungen erst dann Glühbirnen angeboten werden, wenn dafür ein „Verbot“ aus Brüssel verordnet ist, was ich aber für unrealistisch halte.

Während sich westliche Leuchtmittelhersteller nach Absprache einig darin sind, dass eine Glühbirne nach 1.000 Brennstunden kaputt gehen soll, bringen die Glühbirnen, die für die chinesische Bevölkerung hergestellt werden, 5.000 Brennstunden. Mehr.

Nachtschlaf.

Vollkommen lichtlos. Der Melatoninhaushalt gerät sonst durcheinander und damit das rhythmische Empfinden.
Das Kleinkind sollte daran gewöhnt werden absolut lichtlos zu schlafen. Das wohlgemeinte Stimmungslicht im Kinderzimmer ist schädlich.

LED’s.

Die Entwicklung der LED's wird aufmerksam wahrgenommen, weil sie zum Lesen und als Beleuchtung am Arbeitsplatz interessante Aspekte zur Rehabilitation der Augenmuskulatur aufweisen. Meine Prüfungen lassen aber aus folgenden Gründen bis jetzt kaum eine Empfehlung zu: die recht teure LED, welche fast keine Energie verbraucht, baut sich in ihrer Leistung binnen kürzester Zeit ab. Was nützt eine Brenndauer von 100.000 Stunden, wenn bereits nach 2.000 Stunden Dauerbelastung (drei Monate) nur noch etwa ein Sechstel der Leistung vorhanden ist? Der Preis steht also für Ressourcenverschwendung und ist in erneuerbarer Energie und Glühbirnen sinnvoller eingesetzt.

LED

Weiße LED's gleicher Baureihe: die beiden oberen sind neu, die unteren nach 3 Monaten Dauerbelastung kaum noch zu verwenden, also eine ziemlich teure und nicht ökonomische Lichtquelle.

Hinsehen.

Gelegentlich berührt es mich zutiefst: ein lieber Kunde steht in seinem Raum. Der ist mit Pflanzenfarben lasiert, hat Korkpaket, Wolle, Seide u.s.w; dann aber hält er so ein komisches Ding in der Hand und sagt „...aber man soll doch Energie sparen.“ Und etwas später dann „...ach das wusste ich nicht, warum weiß
das keiner?“

Vielleicht genügt es nicht, immer nur etwas zu wissen, vielleicht will sich ein Urteil auf Erfahrung gründen. Diese aber muss nicht nur beabsichtigt, sondern tatsächlich auch gemacht werden. Durch Beobachten, Erleben und Ausprobieren. Denn sonst gewinnt das Gerede an Gültigkeit. Halbherzigkeit und Unterlassung tragen dazu bei, dass sich Ungewolltes institutionalisiert und gegen das Leben selbst richtet.

Licht ist flüchtig und nicht einfach zu begreifen. Als höchste physische Erscheinungsform überhaupt ist es eine Nahtstelle zu geistigen Bereichen. Wird das Archetypische im eigenen Inneren zugelassen, dann wird gesundes Empfinden kritische Sichtweisen möglich machen.

Eine leichter verständliche Analogie von Irrtümlichem kennen wir beim Wasser: soll Wasser gespart werden? wenn Sie das Wasser wären, würden Sie gespart werden wollen? Nein, dem Wasser geschieht Unrecht wenn es dieses nicht darf: Fließen! Wasser will fließen und das Fließen des Wassers fügt ihm sicherlich keinen Schaden zu, denn es ist seine ureigenste Eigenschaft, oder haben Sie schon mal gesehen, dass die Leute, die bedeutungsvoll anmahnen, dass Wasser gespart werden müsse, in den Wald gehen und einen Bach anhalten?

Ihr Christoph Dutschke

 

Christoph Dutschke - 2007
Christoph Dutschke                                                                     2007